Wandern im Böhmerwald

Wandern im Böhmerwald auf den Spuren
von Karl Klostermann
Heinrich Vierlinger und Franz Uhrmann waren mit einer 30-köpfigen Gruppe drei Tage lang unterwegs
Jens Schörnich 16.09.2019 | Stand 15.09.2019, 17:24 Uhr

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Das Projekt "Historisches Album" erläutert Josef Stemberk vom Nationalpark Sumava.


FRG/Srní. Der Name Klostermann stand im Mittelpunkt des dreitägigen Ausflugs im Böhmerwald rund um den kleinen, nur 230 Einwohner zählenden Ort Srní am Nationalpark Sumava. Den einen, Karel, kennt man als "Dichter des Böhmerwaldes". Der andere, Josef, besser bekannt als "Rankl Sepp", war der bekannte Böhmerwaldriese und einer der Charaktere in Klostermanns Roman "Im Böhmerwaldparadies". Auf ihren Spuren, zu den Stätten ihres Wirkens, sowie den untergegangenen, vergessenen Ortschaften wanderten Heinrich Vierlinger und Franz Uhrmann mit einer 30-köpfigen Gruppe.
Karel, Karl Klostermann, vermittelt dem heutigen Leser in seinen Romanen einen Einblick in das Leben der Menschen im Böhmerwald zum Ende des 19. Jahrhunderts. Er beleuchtet ihre Sorgen und Ängste, gibt aber auch viele Informationen über die Landschaft und Natur. Wie bildhaft und genau er alles beschrieb, davon konnte sich die große Wandergruppe an allen drei Tagen überzeugen.
"Ja, hier muss es gewesen sein. Ganz so, wie es Klostermann in den Böhmerwaldskizzen, dem Böhmerwaldparadies oder aus der Welt der Waldeinsamkeit beschreibt", hörte man aus der Gruppe. Mit der jüngeren Geschichte befasst sich auf tschechischer Seite Josef Stemberk vom Nationalpark Sumava. Auf seine Initiative hin entstand das Projekt "Historisches Album des Böhmerwaldes". Die Alben ähneln einer Art Theke, auf der sie an 30 Standorten wie ein geöffnetes Fotoalbum liegen.

 

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Die Gruppe mit Heinrich Vierlinger (rechts) am Fuße des Königstein. -Fotos: Schörnich

 

"Nur wenige wissen noch, dass hier einst Häuser standen", erzählte Stemberk an dem mit vier Bildern versehenen Album in Zhuri (Haidl), unweit von Horska Kvilda (Innergefild) am Rand des Haidler Hochmoores. Wie in anderen fast 100 Siedlungen sind meist nur noch Grundmauern, ab und an ein Wegekreuz zu sehen. Unweit von Zhuri, tief im Wald, liegt die Lichtung Ranklov (Ranklau). Nach ihr bekam der Rankl Sepp, Josef Klostermann, seinen Hausnamen. Hier wurde er geboren, hier führte er seinen Hof. Nach dem Vorbild der historischen Alben erstellte die tschechische Sektion des Karl Klostermann-Vereins vor Ort eine Tafel, die an den 2,13 Meter großen Riesen erinnert. Im Roman "Böhmerwaldparadies" setzt Klostermann ihm sein Denkmal.
Auf der Suche nach den verschwundenen Dörfern der Gemeinde Stodulky (Stadeln) durchwanderten die Teilnehmer am zweiten Tag den ehemaligen Truppenübungsplatz der tschechoslowakischen Armee von Velky Bor (Großhaid), und über ehemals Hinter-, Mitter-, und Vorderwaid zur Kapelle Maria Hilf an den Stollen. Von dort ging es steil hinab zur Otava (Wottawa).
Seit jeher barg der mächtige Berg Krelmelna (Kiesleitenberg) manche Schätze. Seit dem 14. Jahrhundert gehörte er zum Goldgräberrevier. Direkt neben der Kapelle sind die Überreste eines Stollens zu sehen.
Am Schlusstag hatte auch der bis dahin schlecht gelaunte Wettergott ein Einsehen. Bei trockenem Wetter, ab und an lugte sogar die Sonne durch, führte Heinrich Vierlinger, unterstützt von Franz Uhrmann, die Gruppe an einen der Lieblingsorte von Karl Klostermann. Der Javornik (Ahornberg) ist mit 1065 Metern Höhe ein Gipfel im Sumava, unweit von Nico, Nitzau gelegen. Den Bau des Aussichtsturmes setzte der Böhmerwalddichter schon vor dem 1. Weltkrieg durch.
Nach kurzer Wegstrecke erreicht man den nächsten Tausender. Unter dem Gipfel Kralovsky Kamen (Königsstein) mit seiner interessanten Felsformation wurde ein Nischenaltar in den Fels geschlagen. Der Legende nach hat der Gipfel seinen Namen von einem König, der sich hier vor Verfolgern versteckte. Ein Platz, ein schöner Abschluss der Wanderung durch Klostermann-Land, seinem Böhmerwald. Die Gruppe gelangte an Orte, wanderte durch eine Landschaft, die für viele gänzlich unbekannt waren. Eine Landschaft voller Faszination. Man muss zugeben, Karl Klostermann hat in seinen Büchern nicht zu viel versprochen. Die 5. Auflage von "Wandern im Böhmerwald" ist bereits geplant. Sie findet vom 4. bis 6. September 2020 statt.

 

Jens Schörnich

 



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