105 Wolfsrudel in Deutschland

Schon 105 Wolfsrudel in Deutschland
Die meisten in Brandenburg - Umweltverbände zufrieden, aber Hilfe für Weidetierhalter nötig
Ulrike Hofsähs 03.12.2019 | Stand 02.12.2019, 23:39 Uhr

Bonn. In Deutschland leben 105 Wolfsrudel - deutlich mehr als im Vorjahr. Diese Zahl habe die Auswertung des Monitoringjahres 2018/19 ergeben, teilten das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW)gestern in Bonn mit. Demnach konzentriert sich das Vorkommen der streng geschützten Tiere weiter auf ein Gebiet, das von der sächsischen Lausitz in nordwestliche Richtung über Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen reicht.
Ein Wolfsrudel besteht meist aus drei bis elf Tieren - den Eltern und den Nachkommen der letzten zwei Jahre. Die meisten Wolfsverbände leben in Brandenburg (41), gefolgt von Sachsen (22) und Niedersachsen (21). Neben den 105 Rudeln gibt es noch 25 erfasste Wolfspaare sowie 13 sesshafte Einzelwölfe. Damit ist die Zahl der Rudel deutlich gestiegen, die der Paare hingegen zurückgegangen: 2017/18 waren deutschlandweit 77 Rudel, 40 Paare und drei Einzelwölfe nachgewiesen worden. Erstmals seit der Ausrottung der Art in Deutschland seien in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein jeweils einzelne ortstreue Wölfe bestätigt worden. Insgesamt sind mindestens zwischen 275 und 301 erwachsene Tiere erfasst. Das Monitoringjahr dauert vom 1. Mai bis zum 30. April. BfN und DBBW führen darin die von den Bundesländern erhobenen Daten zusammen.
Die Anzahl der Totfunde sei im Vergleich zum Vorjahr um 60 Prozent deutlich angestiegen, erklärte BfN-Präsidentin Beate Jessel. Waren es im Monitoringjahr 2017/2018 noch 61 tote Tiere, so wurden nun 99 Totfunde gemeldet. "Mehr als die Hälfte der 83 durch den Verkehr getöteten Wölfe waren Welpen", so Jessel. Die Zahl illegaler Tötungen stieg von sechs auf acht.
Der Deutsche Jagdverband (DJV) kritisierte, dass der Nachwuchs nicht zahlenmäßig aufgeführt werde. Nach DJV-Hochrechnungen lebten im Frühsommer 2019 rund 1300 Wölfe in Deutschland, erwachsene und Jungtiere. Für das Frühjahr 2020 prognostiziert der Verband knapp 1800 Wölfe. Es habe sich bereits ein Wolfsbestand etabliert, der weit über dem liege, was in anderen europäischen Ländern als Gesamtbestand zugelassen werde. In Frankreich sei beispielsweise eine Obergrenze von 500 Wölfen festgelegt. Der Wolf ist nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU sowie nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Der DJV fordert, die Art ins Jagdrecht aufzunehmen.
"Die Entwicklung der Wolfsbestände ist ein gutes Zeichen", erklärte hingegen Magnus Wessel, Leiter der Naturschutzpolitik des BUND. Die Art sei in Deutschland aber noch immer weit von einem günstigen Erhaltungszustand von 1000 erwachsenen Tieren entfernt. Die Politik müsse endlich konstruktive Lösungsansätze für Weidetierhalter liefern. Der Herdenschutz stehe dabei an erster Stelle. Die Kosten für Elektrozäune und Herdenschutzhunde müssten vollständig erstattet werden, zudem müsse die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Weidetierhalter im Vordergrund stehen. Ähnlich äußerte sich die Umweltschutzorganisation WWF.- dpa

 

 



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