Erweiterung NP Presseschau

2020_06_26_Nationalpark-Erweiterung_Süddeutsche_online.pdfNationalpark soll um 600 Hektar wachsen: Das sagt die Region

Viel Freude und ein bisschen Mahnen - Vor allem Tourismusbetriebe könnten profitieren
 
24.06.2020 | Stand 24.06.2020, 19:24 Uhr       

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Links dieser Forststraße am Schwarzbach liegt der Nationalpark Sumava auf tschechischer Seite - rechts ein Teil der Staatswaldfläche, die zu Nationalparkgebiet werden soll. -Foto: Nigl 

Der Bayerwald-Nationalpark soll um 600 Hektar wachsen

So plant es zumindest der Freistaat. Neu hinzukommen soll ein Gebiet im Osten der Gemeinde Mauth, das momentan noch zum Forstbetrieb Neureichenau gehört. Die Passauer Neue Presse hat sich umgehört, wie die Pläne in der Region ankommen. 

"Eine Bombensache" wäre die Nationalpark-Erweiterung für Hoteliers, Gastronomen und Geschäftsinhaber der ganzen Region, findet Jochen Stieglmeier. Er ist der Vorsitzender der Nationalpark-Partner, die die touristischen Betriebe vertreten. "Jede Form von Naturerweiterung ist wünschenswert", ergänzt er. Momentan sehe man ja, dass es die Menschen raus in die Natur drängt, sie wollen genießen. "Wir haben einen wertvollen Schatz hier." Stieglmeier wünscht sich gar noch den nächsten Schritt. "Die Erweiterung ist für Mensch, Natur und Wirtschaft gut. Also: Gerne noch mehr und noch intensiver", sagt er zu weiteren Nationalpark-Ausdehnungen. 

Für Max Greiner, den Vorsitzenden des Vereins Pro Nationalpark, wäre die Erweiterung eine "tolle Sache." "Das Finsterauer Filz ist ohnehin schon ein Naturschutzgebiet, von daher wäre das eine schöne Abrundung des Nationalparks." Greiner sieht noch einen weiteren Pluspunkt: "Wir hätten wieder den größten Waldnationalpark in Deutschland und würden den Harz überholen. Das könnte man sicher marketingtechnisch nutzen

" Geplantes neues Nationalpark-Gebiet sei "Top-Wandergebiet" "Aus touristischer Sicht wäre die Erweiterung nur zu begrüßen", sagt auch Daniel Eder, Geschäftsführer der Ferienregion Nationalpark

Das geplante neue Nationalpark-Gebiet sei ein "Top-Wandergebiet", die touristischen Betriebe rund um Mauth würden davon stark profitieren. Das glaubt auch Bernhard Fuchs. Er ist Wirt, Hotelier und Dorfapotheker in Mauth. Als Gründungsmitglied des Vereins Pro Nationalpark steht er grundsätzlich natürlich hinter den Erweiterungsplänen. Und als Hotelier sowieso, schließlich lebe er vom Tourismus. Doch als Mensch, der seine Heimat rund um Finsterau und Mauth liebt, hat er auch Bedenken. "Es bleibt zu hoffen, dass die ruhigen Ecken, die so schützenswert sind, ruhig bleiben." Fuchs hofft, dass man aus den Fehlern der Vergangenheit lernt. "Es wäre wichtig. wenn man bei den Nationalpark-Regeln bei den Einheimischen etwas toleranter ist. Wünschenswert wäre, wenn man eine Balance findet zwischen der Wildnis und dem Erhalt der Kulturlandschaft, die sich in den letzten 200 Jahren entwickelt hat."

Ganz und gar nicht begeistert über die Nationalpark-Kunde ist ein anderer Geschäftsinhaber aus Mauth, der namentlich nicht genannt werden will. "Der Nationalpark ist nicht förderlich für den Tourismus. Ich war erschrocken, als ich den Bericht gelesen habe", sagt er. Ihn stören speziell die strengen Regeln des Nationalparks. "Mensch und Natur müssen im Einklang stehen. Das ist aber nicht mehr der Fall." Und wenn Urlauber nicht mehr mit dem E-Bike im Gebiet fahren dürfen, so würden sie eben ausweichen. "Es kommen ja nicht mehr Menschen wegen des Nationalparks, wenn sie viele Bereiche gar nicht betreten dürfen." 

Landtagsabgeordneter Toni Schuberl freut sich über die Erweiterung

"Ich freue mich über die geplante Nationalparkerweiterung", schreibt dagegen der grüne Landtagsabgeordnete Toni Schuberl. Es zeige sich, dass Bewegung in die Diskussion komme. Schuberl hatte gemeinsam mit dem grünen Kreisverband von Freyung-Grafenau bereits öffentlich gefordert, dass dieses Gebiet dem Nationalparkprinzip "Natur Natur sein lassen" unterworfen werde. Darüber hinaus fordern die Grünen, dass auch noch die restlichen 10.000 Hektar der staatlichen Wälder zwischen Mauth und Haidmühle aus der wirtschaftlichen Nutzung genommen werden. "Der Tourismus ist das Rückgrat der drei Gemeinden Mauth, Philippsreut und Haidmühle. Es genügt nicht, dass nur Mauth von der Erweiterung profitiert, auch Haidmühle muss eine attraktive, staatliche Einrichtung erhalten, wie es sie bereits als Haus zur Wildnis, Hans-Eisenmann-Haus, Baumwipfelpfad, Tierfreigelände und Waldgeschichtliches Museum in anderen Orten gibt." Darüber hinaus müsse Philippsreut damit rechnen, dass der Wintersport in Zeiten des Klimawandels immer unsicherer werde. "Hier müssen wir rechtzeitig Alternativen für die Feriengäste aufbauen," fordert Schuberl. Die jetzigen Pläne für die Erweiterung um 600 Hektar in Richtung Philippsreut seien ein erster Schritt. "Aber um Wirkung zu zeigen, muss geklotzt werden, nicht gekleckert."       

Zur geplanten Erweiterung des Nationalparks Bayerischer Wald: Zugreifen!

 Andreas Nigl  24.06.2020 | Stand 24.06.2020, 08:42 Uhr PNP-Interview      

Jetzt soll er wieder wachsen, Deutschlands ältester Nationalpark. Pünktlich zum 50. Jubiläum plant der Freistaat, 600 Hektar aus dem Besitz der Bayerischen Staatsforsten im Osten der Gemeinde Mauth dem Schutzgebiet zuzuschlagen. Der Nationalpark ist ein Segen für die Region. Einer der wenigen touristischen Leuchttürme, die von der Politik immer wieder propagiert und von den Einheimischen vehement gefordert werden. Der Nationalpark ist wichtiger Arbeitgeber in dem strukturschwachen Grenzgebiet. Durch die jährlich rund 1,3 Millionen Touristen, die hier Natur und Erholung suchen, wird unschätzbarer Mehrwert für die Bevölkerung geschaffen. 

Die Bevölkerung weiß deshalb, was sie an ihrem Park hat. Die Verantwortlichen sollten dieses Vertrauen jetzt aber nicht verspielen, in dem sie die von der Erweiterung Betroffenen in den Prozess nicht einbinden. "Wir sollen und dürfen nicht in die Zeit vor 50 Jahren bei der Nationalpark-Gründung zurückfallen und die gleichen Fehler machen", sagt Mauths Bürgermeister Ernst Kandlbinder. Recht hat er, denn mit den Fehlern, die damals gemacht wurden, hat dieses europaweit geachtete Schutzgebiet immer noch zu kämpfen. Viel Vertrauen ist damals verspielt worden. Das Geschenk stünde also zur Abholung bereit. Jetzt geht es nur noch darum, es zusammen auszupacken. 

Söder gibt grünes Licht für Nationalpark

Durch Erweiterung um 600 Hektar Staatswald entsteht der größte Wald-Nationalpark Deutschlands    Alexander Kainund, Ernst Fuchs  26.06.2020 | Stand 25.06.2020, 23:45 Uhr      

München. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gibt grünes Licht für die Erweiterung des Nationalparks Bayerischer Wald. "Der Nationalpark Bayerischer Wald ist der größte Wald-Nationalpark in Deutschland - allerdings nur fast. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Nationalparks in diesem Jahr will die Staatsregierung ein Angebot an die Region machen: Wir vergrößern den Bayerischen Wald zum größten Wald-Nationalpark in Deutschland", sagte Söder gestern im Gespräch mit der Passauer Neuen Presse. Entsprechende Planungen waren in dieser Woche bekannt geworden. Söder würde eine entsprechende Erweiterung des Nationalparks Bayerischer Wald begrüßen: "Das wäre ein Alleinstellungsmerkmal. Nur der Watt-Nationalpark am Meer im Norden Deutschlands wäre dann flächenmäßig größer", sagte er. Die Staatsregierung wolle mit einer Erweiterung der Nationalpark-Region zusätzlichen Schub geben, so Söder. "Deshalb bietet die Staatsregierung der Region an, den Nationalpark um einen Staatswald auf gemeindefreiem Gebiet mit einer Fläche von rund 600 Hektar zu erweitern." Sozusagen als Geburtstagsgeschenk zum Jubiläum obendrauf soll es weitere Investitionen geben: "Zudem sind wir bereit, zusätzlich Mittel bereitzustellen, um die dortige Infrastruktur zu verbessern. Das wäre touristisch für die Region ein zusätzlicher Schub." Söders Ziel ist es, dem Nationalpark Bayerischer Wald ein Alleinstellungsmerkmal zu geben: "Denn es ist ein Unterschied, ob man der größte Wald-Nationalpark ist - oder eben nur fast der größte Wald-Nationalpark." Allerdings: Die Erweiterung von München aus der Region verordnen, über die Köpfe der Betroffenen vor Ort hinweg, das will Söder nicht: "Wir wollen diese Erweiterung mit der Region machen. Umweltminister Thorsten Glauber und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber stehen zu Gesprächen bereit, alle vor Ort sollen eingebunden werden." Ein großes Interview mit Markus Söder lesen Sie in unserer Samstagsausgabe. Alexander Kainund Ernst Fuchs

Angst vor Käfer und Touristenschwemme

Waldbäuerin lehnt Nationalparkerweiterung ab - WBV-Vorsitzender hat persönlich nichts dagegen  

Andreas Meyer  02.07.2020 | Stand 01.07.2020, 20:07 Uhr     



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Blickt man von der Buchwaldstraße Richtung Erweiterungsgebiet, 
sieht man Naturverjüngung, so weit man schaut. -Foto: Nigl      

Mauth. Der Nationalpark soll im Gebiet Mauth um 600 Quadratmeter wachsen. Das scheint beschlossene Sache zu sein, zuletzt hat auch Ministerpräsident Markus Söder grünes Licht gegeben. Für diese Entscheidung gab es aus der Region viel Beifall. Nichtsdestotrotz gibt es auch einige kritische Stimmen. Zum Beispiel von Bettina Fisch aus Zwölfhäuser. Sie besitzt zwischen dem Reschbachtal und dem Teufelsbach rund 100 Tagwerk Wald, wie sie sagt. Der grenze zwar nicht direkt an die Erweiterungsfläche an, befindet sich aber in der Nähe. Und als "Nachbarin" des Nationalparks im Reschbachtal wisse sie, was auf "die Waldbesitzer zukommt". Nämlich nichts Gutes, wie sie unverblümt sagt. Mehr zum Thema

Das sagt MdL Max Gibis  02.07.2020 | Stand 01.07.2020, 20:08 Uhr      

Zur geplanten Nationalpark-Erweiterung hat sich auf Anfrage des Bayerwald-Boten auch MdL Max Gibis (CSU) geäußert. "Auch wenn das Angebot der Staatsregierung an unsere Region, den Nationalpark Bayerischer Wald erweitern zu wollen, doch etwas überraschend kam, bin ich der Meinung, dass dieser Vorschlag viele Chancen birgt." Der Vorschlag werde deshalb auch im Landtag, der schlussendlich dieser Erweiterung zustimmen müsse, eine breite Mehrheit finden. Die angedachten Flächen im Osten seiner Heimatgemeinde Mauth seien ausschließlich Staatswaldflächen auf denen der Fichtenbestand in großen Teilen in den letzten Jahren und Jahrzehnten Windwürfen und dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen seien. "Nun gilt es, dieses Angebot mit den Beteiligten und vor allem mit den Betroffenen zu diskutieren", so Gibis. "Denn eines muss in meinen Augen klar sein: Es muss gewährleistet sein, dass die bestehenden Loipen und Wanderwege erhalten bleiben. Ebenso muss sichergestellt sein, dass die Trinkwasserquellen der Gemeinde Mauth, die sich alle in dem angedachten Erweiterungsgebiet befinden, auf Dauer gesichert werden." Der Schutz der angrenzenden Privatwälder durch das Einrichten von entsprechenden Schutzzonen und ein intensives Borkenkäfermanagement seien weitere Grundvoraussetzungen für eine Erweiterung.
"Ebenso muss der Staatsregierung klar sein, dass diese Erweiterung auch Investitionen nach sich ziehen wird und muss. Das Gebiet muss infrastrukturell erschlossen und für Nationalparkbesucher nutzbar gemacht werden", fordert Gibis. Wenn der Nationalpark nach Süden erweitert werden soll, müsse der südliche Teil des Nationalparks auch besser mit touristischen Einrichtungen ausgestattet werden. "Dies dient auch einer besseren Besucherlenkung. Wir haben ja in den letzten Wochen gesehen, dass die derzeitigen Zentren in Neuschönau und Ludwigsthal von den Besuchermassen regelrecht überrannt wurden. Hier ist vieles denkbar. Es wird jetzt Aufgabe der Beteiligten vor Ort sein, sich darüber intensiv Gedanken zu machen." Er selbst habe dazu schon einige Ideen, die er zu gegebener Zeit einbringen werde. ·         

Fisch hat zwei große Kritikpunkte. Der eine betrifft die Borkenkäfer-Problematik. "Es wird zwar vom Nationalpark gesagt, dass das Problem angegangen wird, aber es passiert nichts. Man kommt anscheinend mit der bisherigen Fläche schon nicht klar und jetzt will man erweitern". Das gehe zu Lasten der Waldbauern, die angrenzen. Ebenfalls ein Dorn im Auge sind ihr die Touristenströme, die bei einer Aufwertung des Gebiets zum Nationalpark noch zunehmen könnten, wie Fisch befürchtet. "Es ist einfach gefährlich, wenn ich bei der Holzarbeit bin und da fahren Radler vorbei. Außerdem sind immer mehr Spaziergänger unterwegs, oft mit Hunden. Um deren Hinterlassenschaften dürfen wir uns dann kümmern." Die Waldbäuerin ist vor allem auf einen Mann sauer: Ministerpräsident Markus Söder. "Die Sicht von uns Bauern interessiert niemanden. Es geht hier rein um die Selbstprofilierung, dass Bayern wieder den größten Waldnationalpark Deutschlands hat. Für die Natur bietet die Erweiterung aber keinen Mehrwert." So wie sie würden quasi alle Waldbauern in der Gegend Mauth/Finsterau denken. Das sagt zumindest Bettina Fisch. 

Josef Höppler, der Vorsitzende der Waldbauernvereinigung Freyung-Grafenau, ist aber einer ganz anderen Meinung als Bettina Fisch. Er habe als Privatperson nichts gegen die Nationalpark-Erweiterung, eine offizielle Sitzung der Waldbauernvereinigung hat es bis dato aber nicht gegeben. "Erstens liegt die Erweiterungsfläche ohnehin auf dem Gebiet der Staatsforsten. Und zweitens ist jeder Festmeter Holz, der nicht aufgearbeitet wird und auf dem Holzmarkt landet, gut für die Waldbauern. Der Markt ist nämlich überhitzt, die Preise sind im Keller", sagt Höppler. Er fordert aber, dass in der Erweiterungsfläche des Nationalparks der Borkenkäfer konsequent bekämpft werden müsse. "Es müssen auch die Sorgen der Waldbauern ernst genommen werden. Das ist wichtig", sagt Höppler.    

   Der Wunschzettel der Region

FRG-CSU: Ökocamping, Aussichtsturm, zentrale Besucherlenkung als Zuckerl für Parkerweiterung  Andreas Nigl  04.07.2020 | Stand 03.07.2020, 22:33 Uhr 

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Die CSU-Mandatsträger im Landkreis Freyung-Grafenau (v.l. Landrat Sebastian Gruber, Kreisvorsitzender und Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich, CSU-MdL Max Gibis und Mauths Bürgermeister Ernst Kandlbinder) wünschen sich begleitend zur geplanten Erweiterung des Nationalparks unter anderem die Errichtung eines Öko-Campingplatzes in der Nähe des Freilichtmuseums Finsterau (Bildhintergrund). -Foto: Nigl      

Finsterau. Der Wunschzettel, den die Freyung-Grafenauer CSU gestern vorgestellt hat, ist zwar groß, aber durchaus realisierbar. Eine verbesserte und neue Infrastruktur soll die 600-Hektar-Erweiterung des Nationalparks im Osten der Gemeinde Mauth begleiten. Wie berichtet, plant die Staatsregierung dort, Wald aus der Fläche des Forstbetriebes Neureichenau auszugliedern und in das international anerkannte Schutzgebiet zu integrieren. Damit wäre der Nationalpark Bayerischer Wald Deutschlands größter Waldnationalpark. Ein inoffizieller Titel, mit dem bis dato der Nationalpark Harz werben durfte. Neben dem Naturschutzaspekt ist das Ganze als ein passendes Geschenk zum 50. Geburtstag des Nationalparks zu sehen, der heuer ansteht. Und der bis dato aus Coronagründen nur im kleinen Rahmen gefeiert werden konnte. Dass die Erweiterung des Schutzgebietes grundsätzlich zu begrüßen sei, darin waren sich Freyung-Grafenaus Landrat Sebastian Gruber, CSU-Kreisvorsitzender und Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich, CSU-MdL Max Gibis und Mauths Bürgermeister Ernst Kandlbinder einig. Wichtig sei aber auch eines, wie alle Vier betonten: Der Erweiterungsprozess muss zusammen mit der Bevölkerung vollzogen werden, deren Ängste (Borkenkäfer, Wasserrechte der Gemeinde Mauth, Betretungseinschränkungen, etc.) müssen gehört und darauf eingegangen werden. Besonders einige Waldbauern im Grenzgebiet zu Tschechien äußern hier Bedenken. Diese versuchen momentan Mauths Bürgermeister Ernst Kandlbinder und Nationalparkleiter Franz Leibl vor Ort zu entkräften. Unter anderem in Bürgersprechstunden und Gesprächen mit Gemeinderäten. Einig waren sich alle Vier aber auch darin, dass die Parkerweiterung im Osten von Mauth eine große Chance für die gesamte Region darstellt. Dies gelte besonders in touristischer Hinsicht. Um die Erweiterung zu einem runden Geschenk zu machen, müsse diese mit einer verbesserten Infrastruktur einhergehen. Dies könne einerseits helfen, die Akzeptanz vor Ort zu erhöhen. Andererseits aber auch die Natur und die Bevölkerung vor Ort quasi zu schützen, indem man die jetzt schon großen Besucherströme in geregelte Bahnen lenkt. Auf diese Besucherlenkung legt besonders Landrat Sebastian Gruber großen Wert. Er und seine Regner Amtskollegin Rita Röhrl (SPD) hatten das Problem bereits am Mittwoch in der Sitzung des Kommunalen Nationalparkausschusses thematisiert. Dort hatte auch Nationalparkchef Franz Leibl betont, "dass es dem Park nicht gefalle, so wie es jetzt laufe". In den Pfingstferien beispielsweise wurden manche Bereiche des Nationalparks (Waldhäuser, Zwiesler Waldhaus, aber auch Finsterau) von Erholungssuchenden nahezu gestürmt. Wo es nur ging, wurde dabei wild geparkt und Rettungswege ohne Rücksicht zugestellt. Gruber forderte hier für den gesamten Nationalpark ein Gesamtkonzept unter Einbindung der Kommunen vor Ort. "Hier ist auch der Freistaat in der Pflicht. Wir müssen die Besucherströme entzerren." Camping boomt. Gerade in Zeiten von Corona. Und so liege es nahe, diesen Trend in Einklang mit der unberührten Natur in der Gemeinde Mauth und dem angrenzendem Nationalpark zu verbinden. CSU-Kreisvorsitzender Olaf Heinrich regt deshalb an, die Erweiterung des Nationalparks mit der Errichtung eines Öko-Campingplatzes zu kombinieren. Und als Vorsitzender des Zweckverbands Niederbayerischer Freilichtmuseen hatte er auch gleich einen Platz parat. Neben dem Freilichtmuseum Finsterau. Hier besitze der Bezirk mehrere geeignete Grundstücke. Man könne für den Campingplatz die Infrastruktur des Museums, wie Personal und Versorgungs- und Entsorgungseinrichtungen nutzen. Ein altes renoviertes Haus könne als Campingplatzzentrale dienen. Klotzen, nicht kleckern will Heinrich bei der Größe. Eines müsse aber auch klar sein. Es solle nicht so sein, dass das Museum das Anhängsel des Ökocampingplatzes wird. Mauths Bürgermeister Ernst Kandlbinder hatte ein Anliegen und einen Vorschlag im Gepäck. Er betonte noch einmal, wie wichtig es sei, diese Pläne zusammen mit der Bevölkerung vor Ort zu entwickeln. Und in diesem Zusammenhang deren Ängste ernst zu nehmen. Ihm schwebe in der Nähe des vorhandenen Parkplatzes am Wistlberg eine Art Aussichtsturm vor (ähnlich dem Haidel-Turm), von wo aus man das Erweiterungsgebiet überblicken könne. Zudem solle es von dort in Richtung Finsterauer Filz einen barrierefreien Weg geben. Das Hochmoor solle barrierefrei erschlossen, in der Nähe ein barrierefreier Waldspielplatz gebaut werden. Dies würde zum Konzept der Gemeinde Mauth passen, die sich die Betreuung von Menschen mit Handicap (u. a. Ausrichtung der Nordischen Behinderten-Weltmeisterschaft) auf die Fahnen geschrieben habe. CSU-MdL Max Gibis machte den Vorschlag, die Tummelplatzhütte (liegt auf einer ehemaligen Waldweide unter dem Lusen) zu sanieren und mit einer Cateringküche auszustatten. Er hatte dabei Beispiele von der anderen Seite der Grenze in Tschechien im Hinterkopf: Im Nationalpark Sumava gebe es einige solche bewirtete Hütten. "Und die boomen." Und weil im aktuellen Koalitionsvertrag die Errichtung eines Bayerischen Auslandsinstituts für internationalen Jugendaustausch im Freistaat niedergeschrieben wurde, könnte man das doch im Dreiländereck bauen. Hier biete sich die Kooperation mit dem Salvador-Allende-Haus (Jugendbegegnungsstätte in Finsterau) und der Euregio Bayerischer Wald/Böhmerwald an. Wie die Mandatsträger mitteilten, soll bis Herbst über die Erweiterung entschieden werden. Dann sei wohl klar, was alles aus dem Wunschzettel realisiert werden wird. 
   
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