Wir möchten wieder Gäste begrüßen

Wir möchten wieder Gäste begrüßen
Nationalpark-Chef Dr. Franz Leibl zum Jubiläum in Corona-Zeiten und den Plänen für 2021
30.12.2020 | Stand 30.12.2020, 11:28 Uhr

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Nationalpark-Chef Dr. Franz Leibl, hier am Rachel, hofft, dass im neuen Jahr wenigstens einzelne Veranstaltungen des für 2020 vorgesehenen Jubiläumsprogramms nachgeholt werden können. -F.: Ohland/NPBW

 


50 Jahre ist der Nationalpark Bayerischer Wald in diesem Jahr alt geworden. Ein Jubiläum, das der älteste Nationalpark Deutschlands gebührend feiern wollte. Doch Corona machte einen dicken Strich durch diese Pläne. Im Interview mit dem Bayerwald-Boten blickt Nationalpark-Chef Dr. Franz Leibl (63) zurück auf dieses sehr besondere Jubiläumsjahr und gibt einen Ausblick auf 2021.
Herr Leibl, der Nationalpark hatte eine Menge vor im Jubiläumsjahr 2020. Davon ist nicht viel übrig geblieben. Der Ausfall welcher Veranstaltung war am schmerzlichsten?
Besonders bedauert habe ich, dass die Feste der Region in den Nationalpark-Zentren Lusen und Falkenstein nicht stattfinden konnten. Die Region wäre bei uns zu Gast gewesen, es hätte viele schöne Aktionen mit Kunst und Musik gegeben - darauf hätte ich mich persönlich sehr gefreut. Und es tat mir auch leid um meine Mitarbeiter: Die hatten im Vorfeld so viel Arbeit dafür geleistet, so viel Engagement und Elan gezeigt - und dann macht es Bumm und mit einem Federstrich ist alles dahin. Das hat in der Mannschaft schon Betroffenheit ausgelöst. Aber so ist halt der Lauf der Dinge.
Wird von den ausgefallenen Veranstaltungen etwas nachgeholt?
Wir würden das Fest der Region schon noch gerne durchführen, aber nur an einem Standort. Anvisiert wäre dafür mal der Juni 2021. Außerdem soll der 90-minütige Jubiläumsfilm, der in den vergangenen drei Jahren entstanden ist, in die Kinos kommen und auch im Fernsehen gezeigt werden. Ich habe ihn schon gesehen und finde ihn wirklich empfehlenswert. Es gibt davon auch Kurzversionen von 52 und 20 Minuten, die wir in unseren Häusern zeigen wollen.
Die Parkverwaltung hat sich ja im Jubiläumsjahr auch einige digitale Ersatzveranstaltungen einfallen lassen. Wie sind diese Angebote denn angekommen?
Sehr gut. Wir haben beispielsweise die geplanten Tage der offenen Tür in unseren Einrichtungen virtuell angeboten und darauf viel positive Resonanz bekommen. Auch Podcasts haben wir anfertigen lassen. Nach den guten Erfahrungen mit den digitalen Formaten möchten wir das in Zukunft noch ausbauen.
Abgesehen vom Ausfall der Jubiläumsfeierlichkeiten - wie intensiv beschäftigt Corona den Nationalpark darüber hinaus?
Wir hatten zum Glück bisher nur ganz vereinzelte Fälle beim Personal, aber natürlich hat das Thema Auswirkungen auf die Arbeit. Bei vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist Homeoffice angesagt, die Umweltbildung ruht mehr oder weniger schon das ganze Jahr und Leute, die aktuell nicht dringend gebraucht werden, haben wir in den verlängerten Weihnachtsurlaub geschickt. Das geht natürlich nicht bei allen; Tierpfleger, Ranger oder auch eine Mannschaft zum Schneeräumen müssen da sein.
Die Reiseverbote haben im Sommer ja zu einem großen Besucheraufkommen im Park geführt. Das hatte nicht nur positive Seiten. 
Was waren die größten Probleme?
Vor allem an schönen Wochenenden hat es fast im gesamten Parkgebiet einen Massenandrang gegeben. Dadurch waren die Parkplätze überfüllt und in den Dörfern gab es Komplikationen, weil teilweise private Einfahrten zugeparkt wurden. Das war für die betroffenen Einheimischen natürlich nicht lustig. Und was wir auch festgestellt haben: Manche Leute haben sich ziemlich rücksichtslos, uneinsichtig, respektlos, auch aggressiv verhalten. Zwar eine Minderheit, aber die spürt man. Diese Erfahrung hat man auch in anderen Schutzgebieten gemacht.
Es waren ja sicher auch manche Besucher dabei, die eher zufällig im Nationalpark gelandet sind...
Ja, das haben wir besonders in den Besucherzentren und Tierfreigeländen festgestellt. Da gab es viele Leute, die einfach auf der Suche nach einem Ausflugsziel waren und den Nationalpark mit einem Freizeitpark verwechselt haben. Einer hat wirklich gefragt, wo denn die Fahrgeschäfte sind (lacht). Aber diese Leute haben sich jetzt nicht irgendwie schlechter verhalten, die waren eher unbedarft hinsichtlich Nationalpark.
Die Skilifte stehen wohl noch einige Zeit still. Befürchten Sie, dass nun sehr großer Druck auf die Natur im Park durch Skitourengeher und Schneeschuhwanderer entsteht?
Die Befürchtung ist nicht von der Hand zu weisen. Der Ansturm wird wohl kommen (am letzten Wochenende war das bereits so, die Red.) und nicht alle werden sich korrekt verhalten. Davor haben wir durchaus Angst. Naturschutz in diesen Zeiten zu gewährleisten, ist eine Herausforderung, besonders im Winter, wenn viele Tiere sehr störungsempfindlich sind. Und unsere Landschaft ist halt relativ leicht zugänglich. Man muss kein geübter Bergsteiger sein, um überall hinzukommen.
Wie wollen Sie reagieren? Mit verstärkten Kontrollen?
Wir werden schon versuchen, in möglichst vielen Bereichen des Parkgebiets präsent zu sein, speziell in den Zeitfenstern, in denen man mit starkem Andrang rechnen muss. Die Förster werden dabei unsere Ranger unterstützen.
Und wie wollen Sie das Parkplatz-Problem angehen?
Dafür braucht es ein Konzept, aber das kann man nicht einfach aus dem Ärmel schütteln. Das geht nur in Zusammenarbeit mit den Kommunen. Wobei das Zusammensetzen zu Gesprächen derzeit leider kaum möglich ist.
Dafür scheinen Sie andere Probleme weitgehend los zu sein: Von den verbissenen Nationalpark-Gegnern hört man fast nichts mehr...
Es stimmt, dass man vom harten Klientel der Gegner nicht mehr so viel spürt, dafür haben wir jetzt harsche Kritiker von anderer Seite. Die stellen unser Borkenkäfermanagement infrage und fordern, dass wir das deutlich moderater und naturverträglicher machen sollen.
Was halten Sie von diesen Forderungen?
Wenn ich mir die Situation im Umfeld von Zwieslerwaldhaus anschaue, kann ich das schon nachvollziehen. Wir entwalden hier Flächen, um sie dann später in Naturzonen zu überführen. Da kann man schon die Sinnhaftigkeit in Zweifel ziehen. Aber wir haben nun mal die Vorgaben der Nationalpark-Verordnung zu vollziehen.
Bei all den Sorgen - was war für Sie die positive Nachricht des Jahres?
Das war natürlich die geplante Erweiterung des Parkgebiets um 600 Hektar im Bereich Mauth. Das ist fachlich und ökologisch unbedingt zu begrüßen und ein wirklich schönes Geburtstagsgeschenk. Sehr erfreulich war außerdem, dass wir die Besucherzentren wieder attraktiver gestalten konnten. Im Haus zur Wildnis wurde ein Nachtraum gestaltet und wir haben dort Camper-Stellplätze eingerichtet; im Hans-Eisenmann-Haus wurde die Waldwerkstatt fertiggestellt. Jetzt hoffen wir halt, dass wir diese Dinge auch schnellstmöglich unseren Besuchern zugänglich machen können. Wir möchten unbedingt wieder Gäste in unseren Besucherzentren begrüßen.
Noch ein Wort zur geplanten Vergrößerung des Parks: War das der letzte Erweiterungsschritt oder kann da in den nächsten Jahren noch etwas kommen?
Das sind politische Entscheidungen. Aber wir haben nach der Erweiterung bei Mauth den größten Waldnationalpark der Bundesrepublik. Man muss nicht überdimensioniert denken, so eine Einrichtung muss auch noch zu managen sein. Wenn die 600 Hektar dazukommen, hat der Nationalpark Bayerischer Wald eine Fläche von rund 25000 Hektar; das ist eine gute Größe, die man auch noch vernünftig verwalten kann.
Welche größeren Projekte stehen denn 2021 an?
Wir wollen das Reptiliengehege im Lusen-Zentrum fertigstellen und die Planungen zur Sanierung des Waldschmidthauses am Rachel so weit vorantreiben, dass wir Ende 2021 noch mit den Bauarbeiten beginnen können. Das ist mehr als überfällig. Außerdem wird uns die geplante Erweiterung massiv fordern, wir werden da dem Ministerium umfangreich zuarbeiten müssen.
Um die in den letzten Jahren so intensive Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Šumava ist es ruhig geworden in den vergangenen Monaten...
Das Miteinander ist coronabedingt zurzeit wirklich etwas eingefroren, aber wir halten schon noch Kontakt. Jeder weiß, was auf der jeweils anderen Seite passiert.
Und wir würden noch gerne wissen, wie lange Dr. Leibl Leiter des Nationalparks bleibt...
(lacht) Mein regulärer Dienst dauert noch zwei Jahre.
Interview: Rainer Schlenz

 

 



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