| Jahresausflug 2026 Das Paradies zeigt sich von seiner schönsten Seite
Dreitägiger Jahresausflug der Mitglieder von Pro-Nationalpark FRG führte in die tschechische Stadt Jicin, das Tor zum Böhmischen ParadiesVon Jens Schörnich 16.04.2026 In das Paradies, jedoch nicht in den himmlischen Garten Eden, sondern in die tschechische Stadt Jicin, auch als Tor zum „Ceský Raj", dem Böhmischen Paradies, bekannt, führte der Jahresausflug der Mitglieder von Pro-Nationalpark Freyung-Grafenau. Bei dem von Reiseleiter Heinrich Vierlinger für den dreitägige Ausflug an die Grenze zwischen Nord- und Ostböhmen ausgearbeiteten Programm kamen sowohl die Naturfreunde als auch jene, die sich für Kultur und Geschichte interessieren, voll auf ihre Kosten.
![]() Zahlreiche Aussichtspunkte laden zum Verweilen ein,Foto: Schoernich
Dank Wallenstein ein geschichtsträchtiger Ort
Rund 80 Kilometer nordostwärts von Prag liegt die im 12. Jahrhundert gegründete Stadt Jicin. Ein geschichtsträchtiger Ort - denn Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein, bei uns als Wallenstein bekannt, wählte Jicin zu seiner Residenz. Da er seine Macht gern zur Schau stellte, hinterließ er hier viele historische Baudenkmäler von der Gotik bis ins 20. Jahrhundert. Ein Naturdenkmal ist eine zwei Kilometer lange Allee, die mit rund 1200 Linden bepflanzt ist. Für die tschechischen Kinder ist der Ort durch den Räuber Rumcajs, Fürchtenix, der hier lebte, ein Begriff. Durch eine Zeichentrickserie im Fernsehen ist er in Böhmen genauso bekannt wie bei uns der Räuber Hotzenplotz.
Bei herrlichem Wetter führte der örtliche Reiseleiter Jiri die Gruppe am zweiten Tag durch den UNESCO-Geopark Böhmisches Paradies. „Das ist wahrlich ein Eldorado für Naturliebhaber", so der Tenor der Wanderinnen und Wanderer. Zum Auftakt wurde die Ruine der Burg Trosky, ein Wahrzeichen der Region, erklommen. Sie wurde zum Ende des 14. Jahrhunderts von den Herren von Wartenberg auf zwei steilen Basaltfelsen erbaut. Aufgrund der Lage war sie uneinnehmbar, selbst die Hussiten konnten sie nicht erobern. Von den zwei restaurierten Türmen Baba (altes Weib) sowie Panna (Jungfrau), blickt man bis ins Iser- und Riesengebirge, auch die Ausläufer von Prag sind zu erkennen.
![]() Vom Turm hat man einen witen Blick ins Land.Foto:Schoernich
Unweit der Ruine dehnt sich ein durch Sandsteinformationen geprägtes, einzigartiges Naturjuwel aus, die Prachovské skaly, Prachauer Felsenstadt. Die Erosion durch Wind, Wasser und Frost schuf eine spektakuläre Felsenlandschaft mit zahlreichen Spalten, Schluchten und Tälern mit bis zu 40 Meter hoch ragenden, schroffen Felsformationen. Ein Erlebnis für Wanderer und Kletterer aber auch für die Wissenschaft. Archäologische Funde belegen, dass hier bereits im 10. Jahrhundert Menschen lebten. Auf drei Rundwegen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden kann man die Felsenstadt durchwandern. Die attraktivste und interessanteste Route führt über zahlreiche Steintreppen, anspruchsvolle Anstiege, Labyrinthe und fantastische Aussichtspunkte in drei anstrengenden Stunden durch das bizarre Naturschauspiel.
Auf der Rückreise durfte natürlich ein Abstecher nach Prag nicht fehlen. Heinrich Vierlinger, der zum 17. Mal den Jahresausflug von Pro-Nat organisierte, hatte für eine Kurzführung seinen Freund, den tschechischen Schriftsteller, Lehrer und Übersetzer Martin Sichinger gewinnen können. Er führte die Reisegruppe auf den Vysehrad, die Prager Hochburg, die 40 Meter über der Moldau im 10. Jahrhundert auf einem Felsenareal erbaut wurde. Dank der exponierten Lage hat man von dort einen einzigartigen Blick auf die goldene Stadt Prag. In die Parkanlage eingebettet ist der Friedhof Slavin.. Über 600 bekannte tschechische Persönlichkeiten, Schriftsteller, Wissenschaftler, Dichter, bildende Künstler und Komponisten wie Antonin Dvorak oder Bedrich Smetana fanden hier ihre letzte Ruhestätte.
![]() Martin Sichinger und Heinrich Vierlinger führten über den Friedhof der Prominenten,Foto: Schoernich
Nicht ohne eine historische Schlacht
Eine Tradition bei den von Heinrich Vierlinger ausgearbeiteten Reisen ist, dass er seine Mitreisenden ohne eine historische Schlacht nicht gehen lässt. So nutzte er auch dieses Mal die Gelegenheit und machte auf der Heimfahrt einen Abstecher nach Bilá Hora, dem Weißen Berg am Stadtrand von Prag. Hier unterlagen in einem kurzen Gemetzel die böhmischen Stände und Aufständischen im Jahr 1620 den kaiserlich-katholischen Truppen. Die Niederlage führte zum Ende der Selbstständigkeit Böhmens und zunächst zu einem tiefen Niedergang des böhmischen Nationalbewusstseins. Für die Tschechen ist der Weiße Berg bis heute ein Synonym für die größte Katastrophe ihrer Geschichte. Ein schlichtes Denkmal erinnert daran. „Wir haben schon viel gesehen und erlebt. Doch das war wohl eine der schönsten Reisen", so das Resümee des 1. Vorstandes Max Greiner beim Reiseende. |
zurück zur Übersicht
impressum








